Seit zwei Jahren findet jeweils am Mittwoch eine Demonstration der Betroffeneninitiative Еhe ohne Grenzen vor dem Innenministerium statt. Wir hatten das Glück bei der 104. und vorerst letzten dabei zu sein. Um 17 Uhr hatten sich schon etliche Frauen, teilweise mit kleinen Kindern, und einige Zuschauer versammelt. Frau Magenheimer, Obfrau des Vereins und selbst Betroffene, begrüßt die Anwesenden und appelliert mit pointiert formulierten Informationen, sich die verzweifelte Situation der binationalen Ehepaare vorzustellen, die durch das neue Fremdengesetz (seit 1.1.2006 in Kraft) entstanden ist.

Zu den Demonstranten gesellt sich die Gruppe Samba-Attac, die das Anliegen der Demonstranten lautstark und rhythmisch unterstützen. Einige Frauen schildern sehr drastisch, unter welchen Eingriffen in die Privat-, ja Intimsphäre die Betroffenen zu leiden haben. So wird z.B. , immer unter der Annahme der Scheinehe, nach Schmutzwäsche des Partners gesucht, nach der Farbe der Zahnbrüste und der Boxershorts gefragt. Auch Nachbarn müssen Auskunft geben über die Lebensgewohnheiten der Paare. Die Sambarhythmen haben inzwischen nicht nur irritierte Anrainer (von den anwesenden Polizisten freundlich beruhigt) auf den Plan gerufen, sondern auch zahlreiche interessierte Passanten angezogen, die fotografieren und Folder entgegennehmen. Um 18:30 Uhr löst sich die Demo auf und die TeilnehmerInnen treffen sich zum Ausklang im pakistanischen Lokal  Diwan. Dort bemühen wir uns in Gesprächen, die schwer zu verstehende Sachlage genauer zu erfassen.

Von den vielen Informationen greifen wir einige uns besonders wichtig erscheindende heraus:
Von dem neuen Fremdenrechtsgesetz sind alle Drittstaatsangehörigen (nicht EU-Bürger) betroffen.Die Ehe allein begründet nicht mehr das Recht auf Aufenthalt (Niederlassung) und gemeinsames Familienleben und öffnet auch nicht den Zugang zum Arbeitsmarkt.Es werden uns Beispiele erzählt, die uns deutlich machen, wie unverständlich und familienfeindlich diese Rechtslage ist. So muss z.B. der österreichische Ehepartner ein Familieneinkommen von € 1.120,–plus Miete plus € 79,– je Kind vorweisen können, damit der Drittstaatspartner ein Niederlassungsrecht in Österreich bekommt. Angesichts der österreichischen Durchschnittsgehälter wird das vielen nicht möglich sein. Außerdem muss der Niederlassungsantrag vom Herkunftsland aus gestellt werden.

Was macht in diesem Fall ein Flüchtling, der in seiner Heimat bedroht ist? Wer zahlt die Reisekosten? Den österreichischen PartnerInnen sind die Hände gebunden, sie können rechtlich nichts unternehmen. Еhe ohne Grenzen ist praktisch die einzige Anlaufstelle mit einem umfassenden Wissen über die Rechtslage und Rechtswege, was für die Beratungstätigkeit unerlässlich ist. Frau Magenheimer als selbst Betroffene ist inzwischen zu einer Expertin für die Probleme binationaler Ehepaare geworden. Dies ist umso wichtiger, als dieser Problemkreis in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen wird.

Anlass für die Vereinsgründung war eine Pressekonferenz anlässlich der Einführung des neuen Fremdenrechts 2006. Herr Langthaler, Bildungsexperte der Asylkoordination, bat Frau Magenheimer als betroffene Ehefrau zu reden. Sie hatte zu diesem Zweck Erfahrungsberichte von Ehepaaren zusammengestellt. Die Presse hat das Thema aufgegriffen. So war das neue Fremdengesetz in aller Munde. Auch die Idee für die Mittwochsdemonstrationen ist aus dieser Pressekonferenz erwachsen. Bei der ersten Demo am 15.2.2006 waren 15 Personen anwesend. Beim dritten Treffen drei Monate später waren es schon 180. Im September 2006 wurde dann der Verein Еhe ohne Grenzengegründet.

Der Verein ringt um seine Existenz, da er von der öffentlichen Hand nicht mehr als förderungswürdig angesehen wird. Aus diesem Grund ist die Anstellung von Frau Magenheimer nur mehr bis Ende Mai 2008 gesichert.