Mit 2 LehrerInnen und 5 Kindern fing es im Jänner 2011 an, jetzt kommen ca. 350 Kinder und über 100 ehrenamtliche LernhelferInnen.

Die Sekretärin, Frau Tikovits, empfängt uns, führt uns an den Lernkojen für den Einzelunterricht vorbei, wo eifrig gearbeitet wird. Sie erwähnt, dass fast alle Einrichtungsgegenstände “geschnorrt“ bzw. von Firmen gesponsert wurden. Die Atmosphäre ist freundlich und einladend. Wir sitzen an einem großen Tisch, der für Gruppenarbeiten genutzt wird, die zusätzlich angeboten werden. So gibt es eine Schreibwerkstatt, in der die spontane Ausdrucksfähigkeit und die Lust am Schreiben gefördert werden. Viele SchülerInnen kommen aus bildungsfernen Familien bzw. sind nicht-deutscher Muttersprache und haben einen sehr beschränkten Wortschatz. Darauf kann auch in Kleingruppen eingegangen werden. Eine junge Ägypterin, die wir im Lift treffen, erzählt uns, dass sie in einer 4er Gruppe mitmacht, in der Hausaufgaben gemeinsam besprochen werden.

Abgesehen davon, dass ihnen beim Lernen geholfen wird, bekommen die Kinder hier auch die so notwendige Aufmerksamkeit. Oft sind die Wohnverhältnisse sehr beengt, sodass die Kinder keinen Platz zum Lernen haben. Sie kommen daher gerne zur Lerntafel, manchmal auch nur, um hier ihre Aufgaben zu machen.

2011_Projekt_Wiener_Lerntafel_01DSCN2694_web

Auch für die Eltern ist die WIENER LERNTAFEL Anlaufstelle für die verschiedensten Probleme. Weiters werden, wenn nötig, die Mütter angeregt, selbst deutsch zu lernen. Es ist geplant, geführte Stadtrundgänge zum Kennenlernen von Wien anzubieten. Die WIENER LERNTAFEL leistet mit ihren Aktivitäten also auch wichtige Integrationsarbeit.

Die WIENER LERNTAFEL steht prinzipiell allen 6 – 14 jährigen Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien zur Verfügung. Bei der Einschreibung muss der Lohnzettel mitgebracht werden, das Einkommen darf pro Familienmitglied € 450,– nicht überschreiten. Ausnahmen werden bei Alleinerzieherinnen gemacht.

Jeweils am Freitag wird die Stundeneinteilung erstellt und bekanntgegeben. Es wird darauf geachtet, dass sich die Kinder abmelden, wenn sie nicht kommen können. Unentschuldigtes Fernbleiben zieht eine 2-wöchige Sperre nach sich.

Frau Tikovits ist es auch ein Anliegen, den Eltern zu erklären, was „ehrenamtlich“ bedeutet, nämlich dass sich die LernhelferInnen (pensionierte LehrerInnen, StudentInnen, ManagerInnen, sogar 2 Piloten) unbezahlt zur Verfügung stellen. Viele Eltern glauben nämlich, dass die LERNTAFEL eine Einrichtung der Stadt Wien ist.

Für die Unterrichtenden gibt es regelmäßige Treffen und Vorträge von Fachleuten, z.B. von Dr. Max Friedrich, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Dr. Brigitte Sindelar, klinische Psychologin und Psychotherapeutin (beide sind im wissenschaftlichen Beirat der WIENER LERNTAFEL).

Da der Andrang sehr groß ist, beabsichtigt die WIENER LERNTAFEL, die derzeit im Gasometer untergebracht ist, ein größeres Lokal anzumieten, was mit höheren Kosten verbunden ist. Die Geldaufbringung ist daher ein wichtiges Thema. Wir waren erstaunt, wieviele gute Ideen dazu schon umgesetzt wurden.

Mit der Unterstützung des Wiener Spendenparlaments wird ein Farbdrucker-Kopierer angeschafft.

 

Zur Homepage der Lerntafel