Wir, Erika Poeschl und Renate Schütz, sind bei einem Lokalaugenschein im VinziPort. Es ist dies die erste Einrichtung, die obdachlosen EU-Bürgern ohne Anspruchsberechtigung auf Unterstützung eine Übernachtungsmöglichkeit bietet.

Sie wurde 2010 gegründet, der neue Standort am Rennweg 89A wurde Anfang November 2013 bezogen. Die Männer kommen aus Rumänien, Ungarn (verstärkt seit den von Orban erlassenen verschärften Richtlinien z.B.gegen Bettler), Bulgarien, der Slowakei. Derzeit übernachtet hier auch ein Italiener.

Das Zusammenleben auf engem Raum, die unterschiedlichen Sprachen und Herkunftsländer mit ihrer jeweiligen Geschichte, das alles führt dazu, dass die Kommunikation zwischen diesen Männern nicht immer konfliktfrei ist. Alle kommen sie mit der Hoffnung, in Österreich Arbeit zu finden.

ViniziPort bietet den Männern für einen Euro nicht nur eine Schlafmöglichkeit, sondern auch ein warmes Abendessen. Der Ankauf des dafür benötigten großen Herdes wurde mit Unterstützung des Wiener Spendenparlaments möglich.

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Es ist 18h und die Nachtgäste drängen herein. Beim Empfang werden Lichtbildausweise ausgestellt, die einen Monat lang gültig sind. Unser Blick fällt auf eine Wand, in der in verschiedenen Farben und Sprachen „Willkommen“ gemalt ist. Auch in einem Aufenthaltsraum mit Fernseher ist eine geschmackvolle Wandmalerei angebracht, – alles ausgeführt von Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Rainergasse. In den Schlafräumen stehen Stockbetten, durch Trennwände wird ein wenig Privatheit geschaffen.

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Unser Ziel ist jedoch die Küche, in der gerade das Abendessen für 55 Personen zubereitet wird, heute von einer Familiengruppe. Zwei Frauen und ein Mann formen Fleischlaibchen, die auch schon auf dem Herd brutzeln, überwacht von einer Frau mit roter Kochmütze. Im Rohr warten die Bratkartoffeln. Dazu gibt es Grillsauce, grünen Salat und Semmeln, als Dessert Fruchtjoghurt und Bananen – ein Festessen! Als um 19h die Essensausgabe beginnt, wartet schon eine lange Schlange hungriger Männer. Auch wir dürfen kosten. Es schmeckt vorzüglich.

An der Wand hängt der Diensteinteilungsplan. Pro Abend sind 6 Helfer*innen nötig: 2 Köche, 1 Helfer*in, 2 Leute beim Empfang, 1 Nachtaufsicht – alles Freiwillige. Auch für die Organisation, die Geldaufbringung und die Öffentlichkeitsarbeit sind Ehrenamtliche tätig. Derzeit ist nur ein Verwalter angestellt, ein Dipl.Ing. aus dem Iran.

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Es gibt verschiedene Kochgruppen: die Tullnergruppe, die Facebook-Gruppe, eine koreanisch-evangelische Gemeinde, die nach dem Essen auch ein Abendprogramm gestaltet. Diese Gruppen bringen meist alle Zutaten als Sachspende mit. Sonst kommen die Lebensmittel von verschiedenen Firmen, (z.B. Brot von der Fa. Felber) und von der Wiener Tafel. Jetzt, kurz nach Weihnachten ist überall sehr viel übrig geblieben, dass die Vorratslager und die Kühltruhen gut gefüllt sind. So wird der Überfluss wenigstens sinnvoll verwendet.

Wir haben viele positive Eindrücke gewonnen. Es wundert uns daher nicht, dass VinziPort unter vergleichbaren Einrichtungen sehr gefragt ist.

 

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