An einem Montag im März hat uns Frau DSA Hedi Scheiner durch die von ihr ehrenamtlich geleitete Notschlafstelle geführt. Wir konnten die zwei Aufenthaltsräume (mit Mikrowelle und Kaffeeautomat zur Selbstversorgung) sowie auch die 12 Zimmer mit insgesamt 48 Betten besichtigen. Die Fa. Salesianer liefert und reinigt die Bettwäsche gratis. Ein großer Wunsch der Obdachlosen nach versperrbaren Spinden und Schränken konnte durch das vom Spendenparlamt zugeteilte Geld erfüllt werden.

In der Küche war gerade ein pensionierter Restaurantbesitzer dabei, ein Gulasch für das Abendessen zuzubereiten. Ein Bewohner half Ihm „unter Tränen“ einen Berg Zwiebel zu schneiden. Die 18 Ehrenamtlichen wechseln sich bei der Arbeit in der Küche und bei Aufnahme- und Nachtdienst ab (jeweils 2 sind pro Tag anwesend). Bei der Reinigung der allgemeinen Räume und der Zimmer sind die Bewohner mit einbezogen, was nach Anfangsschwierigkeiten nunmehr ganz gut funktioniert.

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Als wir nach unserer Besichtigung in den Eingangsbereich zurückkommen, warten die Einlass-Suchenden schon vor der Tür. Von 8h bis 18h ist die Notschlafstelle gesperrt. Sowohl Österreicher als auch Ausländer haben Wohnbedarf (teilweise vorübergehend). Im Allgemeinen werden für Übernachten und Essen 1 € eingehoben. Frau Scheiner ist aber dazu übergegangen den Unkostenbeitrag zu staffeln. Manche der Gäste haben nämlich eine geregelte soziale Unterstützung. Im Höchstfall sind dann € 100,- zu bezahlen. Auch nach erfolgter Wohnungszusage durch die Gemeinde (oft nach 6 Monaten) würden manche lieber in der Notschlafstelle bleiben – man ist dort nicht so einsam und die niedrigen Kosten machen das Überleben sicher. Frau Scheiner muss  diese dann mit sanftem Nachdruck ausquartieren.

Dauergäste sind vor allem Ausländer, die schon vor Jahrzehnten – damals illegal – nach Österreich gekommen sind und nie gemeldet waren. Seit dem EU-Beitritt ihres Landes können sie zwar legal hier sein, haben jedoch keinen Zugang zum sozialen Topf und dadurch auch keine Hoffnung auf eine andere Wohnmöglichkeit.

VinziBett geht auf eine Initiative des „Armenpfarrers“ Wolfgang Pucher, der auch Frau Scheiner als Leiterin ins Boot holte, zurück. Es ist erfreulich, wie viele Firmen den laufenden Betrieb unterstützen, u.a. Radatz, Bäckereien Schrott und Ströck, Teekanne, NeuDeli (Restaurant), Salesianer, Bella Flora…