Heute, wie jeden Montag, ist „offenes Büro“ bei Frau Gwendolyn Ploberger, bei der wir, zwei Mitarbeiterinnen des WSPs, zu Gast sind. Sie ist klinische Psychologin und Hauptverantwortliche für das Projekt: „Psychologische Betreuung für Kinder und Jugendliche“, das 2010 vom WSP unterstützt wurde. Seit 8 Jahren arbeitet sie hier im Integrationshaus, begonnen hat sie als Praktikantin mit einer Malgruppe.

Zwischen 16 und 18 Uhr können die derzeit 21 im Hause lebenden 6 bis 16 Jährigen zu Einzelgesprächen kommen. Die Psychologin steht jedem/jeder eine Viertelstunde zur Verfügung, in der sie über ihre Alltagssorgen, ihre Probleme mit Eltern und Schule sprechen können. Das ist nicht genug Zeit, um die oft schlimmen Erfahrungen aufzuarbeiten. Schwer traumatisierten Kindern wird eine einzelpsychologische Intervention vermittelt. Im Integrationshaus geht es hauptsächlich um Stabilisierung und Stärkung der eigenen Kompetenzen.

Die jungen Menschen nehmen dieses Angebot gut an, nicht nur wegen der „Besucherzuckerllade“, die nach dem Gespräch geöffnet werden darf und die natürlich ein Anreiz ist. Vor allem aber fällt es den jungen Menschen häufig leichter, einer Betreuerin etwas zu erzählen, als den eigenen Eltern, die sie als sehr belastet erleben. Die überforderten Eltern neigen oft zu überzogenen Strafmaßnahmen, auch zu Gewalt. In diesen Fällen schaltet Frau Ploberger die jeweiligen BezugsbetreuerInnen ein, die den Familien 2 Stunden pro Woche zur Verfügung stehen. Wie gut und wie schnell sich Frauen als Alleinerzieherinnnen zurechtfinden, hängt von ihrem kultuerellen Hintergrund ab und der Rolle des Mannes in der jeweiligen Gesellschaft. Auch vermisste Familienväter erschweren das Annehmen der neuen Situation.

Aus Erfahrung weiß Frau Ploberger, dass mit Strafen bei den Kindern überhaupt nichts zu erreichen ist. Was sie brauchen, sind Stärkung ihres Selbstvertrauens und Aufgaben, die sie positiv motivieren und ihnen auch bei der Erfüllung von beharrlich geäußerten Wünschen helfen, z.B. wenn sie ein Instrument erlernen wollen.
Regelmäßiger Kontakt mit den Kindern ist wichtig, daher gibt es auch fast jeden Tag Programm.

Am Dienstag können die 6 – 10 Jährigen in die Nachmittagsgruppe kommen, am Mittwoch die Jugendlichen, Burschen und Mädchen getrennt. Die Angebote sind altersgemäß: für die Kleinen gibt es z.B. Mal-und Bastelgruppen, den Jugendlichen werden Exkursionen, sportliche Aktivitäten oder Kinobesuche angeboten.
Die Gruppenzusammenkünfte sind wichtig, da oft „umgelernt“ werden muss. So war für viele aggressives Verhalten in extremen Situationen eine Überlebensstrategie. Jetz aber müssen neue Formen des Zusammenlebens erlernt werden.

Traumatisierende Erfahrungen haben sie wohl alle gemacht, kommen doch 50% der HausbewohnerInnen aus der Kaukasus Region, viele aus Tscheschenien, andere aus dem Irak, aus Afrika…..

Während wir bei Frau Ploberger sitzen, kommen Kinder vorbei, fragen oder holen etwas, doch sie bleiben nicht zu einem Gespräch. Frau Ploberger kennt sie natürlich alle und man spürt, dass sie ihr alle wichtig sind. Seit einiger Zeit stehen ihr auch PraktikantInnen zur Verfügung, was für die Arbeit mit den Gruppen sehr hilfreich ist.
Wir sind beeindruckt von der Professionalität und dem Engagement, mit dem in diesem Haus gearbeitet wird.