Es geht schon hoch her im „Café PROSA“ auf dem Sparkassenplatz im 15. Bezirk, als wir gegen 19h eintreffen. In den Räumlichkeiten des Cafés, das gleichzeitig das Büro von „PROSA“ ist, feiern jugendliche AsylwerberInnen und ihre Freunde das persisch/kurdische Neujahrs- und Frühlingsfest „Nowruz“. Die jungen Leute unterhalten sich bei lauter Musik, während andere das Essen vorbereiten.

Unter den wenigen Erwachsenen ist ein pensionierter Deutschlehrer, der jetzt im Abendgymnasium in der Brünnerstraße unterrichtet. Die Arbeit ist anstrengend, aber sie macht ihm Freude, da die jungen AsylwerberInnen meist sehr motiviert und wissbegierig sind.

Auf einem festlich gedecktem Tisch sind verschiedene Gegenstände (die „Sieben-S“)aufgelegt, die zum Neujahrsfest gehören und für bestimmte Werte stehen und alle mit „S“ beginnen: Mehlbeeren, Fische in einer Schüssel mit Wasser (Lebendigkeit), Kerzen, ein Spiegel, (Selbsterkenntnis), ein Buch (Wissen und Gelehrsamkeit), Getreidekeime, Geldmünzen.

Wir unterhalten uns mit Frau Barbara Schluckhuber, Mitarbeiterin bei PROSA. Das Projekt „PROSA“ (Dachorganisation: Bildungsinitiative Österreich) ermöglicht jungen AsylwerberInnen einen Schulabschluss.
In der AHS Rahlgasse werden am Nachmittag Kurse angeboten, die zum Hauptschulabschluss führen, in der Brünnerstraße gibt es ein Abendgymnasium. Derzeit werden 85 Schüler und Schülerinnen unterrichtet.
N., ein junger Afghane, war der erste Schüler von PROSA, der den Hauptschulabschluss geschafft hat. 2012 ist er nach Österreich gekommen.

Er erzählt uns von seiner Flucht über Pakistan, Iran, Türkei, Griechenland und Mazedonien. 7 Monate war er unterwegs, bis er endlich in Österreich ankam, wo auch seine Schwester mit ihrer Familie lebt.

Nach einem Anfängerkurs Deutsch besuchte er schon nach 7 Monaten die Kurse bei „PROSA“ und bekam nach ca. eineinhalb Jahren den Hauptschulabschluss. In Afghanistan ging er sieben Jahre in die Schule. Jetzt besucht er das Abendgymnsium, doch sein Wunsch ist es, eine Lehrstelle zu bekommen, eventuell bei Penny Markt.
Inzwischen ist das Essen fertig und wir stellen uns an, um auch etwas von den orientalischen Gerichten zu bekommen, deren Duft uns hungrig macht.

Nach dem Essen sind alle in bester Laune. Die Burschen hocken im Kreis auf dem Boden und auf einen Wink steht jeweils einer auf, geht in die Mitte und tanzt, während die anderen im Takt klatschen.

Es ist schön zu sehen, wie fröhlich und ausgelassen sie sind, als hätten sie keine Sorgen. Die oft schlimmen Erfahrungen haben sie nicht gebrochen, sie wirken stark und voller Lebenslust, trotz ihrer prekären Situation und einer meist ungewissen Zukunft. Für einen Abend zumindest sind sie einfach nur jung und unbeschwert.
Renate Schütz – Erika Poeschl

 

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