Am 7. Oktober 2008 hatten wir die Gelegenheit M-Media, Verein zur Förderung interkultureller Medienarbeit, zu besuchen und ein sehr informatives Gespräch mit dem Projektleiter, Herrn Simon Inou, zu führen.

Herr Inou, schon in seiner Heimat Kamerun als kritischer Journalist tätig, wurde den Behörden suspekt, vor allem nachdem er bei einem internationalen Kongress in Graz einen Vortrag über die politische Situation Kameruns gehalten hatte. Von seiner Mutter telefonisch gewarnt, – sie kam dafür drei Wochen ins Gefängnis,- entschloss er sich, nicht mehr in seine Heimat zurückzukehren und lebt seit nunmehr 12 Jahren als Konventionsflüchtling in Österreich. 2005 gründete er M-Media.

M-Media ist gedacht als Brücke zwischen MigrantInnen und dem österreichischen Mainstream (Printmedien, Fernsehen). Österreichische JournalistInnen werden bei ihren Recherchen von M-Media unterstützt, sodass auch die Sichtweise der MigrantInnen in die Berichterstattung einfließen kann. Früher wurden z.B. Informationen der Polizei nicht hinterfragt. Jetzt wird die Zusammenarbeit mit gut informierten MigrantInnen von österreichischen JournalistInnen immer mehr angenommen.

Mit der vom Spendenparlament erhaltenen Förderung wurden zwei PCs gekauft, was ermöglicht, dass österreichische StudentInnen als PraktikantInnen bei M-Media mitarbeiten können.

Hauptanliegen von M-Media
Zusammenarbeit mit dem „Mainstream“. MigrantInnen sollen nicht nur als Opfer oder als TäterInnen gesehen werden, sondern es soll ein umfassendes Bild ihres Lebens in Österreich gezeichnet werden.
Durch die Initiative von Herrn Inou und seinem Team (unterstützt von der Stadt Wien) wurde es möglich, dass seit Anfang 2008 in der „Presse“ jeden Mittwoch eine ganze Seite für M-Media zur Verfügung steht. JournalistInnen mit unterschiedlichem Migrationshintergrund behandeln auf dieser Seite verschiedenste Themen. Zusammenarbeit mit den großen Medien, keine Ghettoisierung! Das ist die Philosophie von M-Media.

Medienmesse
Sie soll Medien aus den verschiedensten MigrantInnen-Communities auf einer Plattform zusammenführen. Die Medienmesse fand im September 2008 unter internationaler Beteiligung (39 AusstellerInnen und 26 Vortragende zum Thema Medien und Migration) am Uni Campus statt. Aufgrund des großen Erfolges ist nächstes Jahr eine weitere geplant.

Weitere Tätigkeitsbereiche von M-Media

Projekte
z.B. Medienseminare. Im November 2008 werden österreichische JournalistInnen vor MigrantInnencommunities über das österreichische Mediensystem berichten

Exkursionen
Österreichische Journalisten nehmen z.B. direkten Kontakt mit der türkischen Community auf. Daran besteht großes Interesse.

Führungen
Medieninteressierten MigrantInnen wird ein direkter Kontakt zu österreichischen Medien ermöglicht, damit die Perspektiven der österreichischen Medien besser verstanden werden.

Mediatorfunktion von MigrantInnenmedien
Es werden z.B. österreichische Gesetze ins Türkische übersetzt und erläutert.

Herr Inou erzählte uns, wie wichtig für ihn die Praxis beim Erlernen der deutschen Sprache war. Daher zum Abschluss eine Bitte an unsere Spenderinnen und Spender: Melden Sie sich bei uns im Büro, falls Sie gerne regelmäßige Gespräche mit deutschlernenden MigrantInnen führen möchten. Gemeinsam mit Herrn Inou planen wir eine Gesprächsgruppe für Austausch und Sprachverbesserung