Der Kost-Nix-Laden in der Zentagasse 26 im 5. Bezirk besteht seit Mai 2005 und ist am Montag, Donnerstag und Freitag von 15 bis 20 Uhr geöffnet. Alles, was es dort zu haben gibt ist, wie der Name schon sagt, umsonst.

Die dringend nötigen Renovierungsarbeiten im Lokal machen mit Hilfe der finanziellen Unterstützung durch das Wiener Spendenparlament und dank intensiven Arbeitseinsatzes rasche Fortschritte: Statt des vergitterten Fensters hat der Laden jetzt eine Auslage. Das geplante Hochplateau, das unten Platz und oben Lagerraum schafft, steht bereits. Der schäbige Bretterboden ist recht ansehnlich geworden und hat fast nichts gekostet, außer mühevoller Arbeit. Die alten Bretter wurden umgedreht und die bessere Rückseite abgeschliffen und versiegelt.

2010_Projekt_Kost_Nix_Laden_Ladenfront

Auf den Regalen liegen Gebrauchsgegenstände aller Art: diverse (elektrische) Geräte, Geschirr, Taschen etc. Der Kleiderständer in der Mitte des Raumes ist so voll, dass man Mühe hat, die einzelnen Stücke heraus zu bekommen. Im hinteren Raum gibt es viele Bücher und Videos. Eine Dreizehnjährige interessiert sich dafür. Heute hat sie ein Buch gefunden, auch Videos nimmt sie öfter mit. Ihre Mutter ist auch hier. Die beiden kommen regelmäßig, manchmal bringen sie etwas.

Auf dem Sofa hat es sich eine Frau mit Zigarette und Kaffee, den man hier auch bekommt, gemütlich gemacht. Sie plaudert gerne ein wenig mit uns. Ja, sie ist regelmäßig hier und zwar an allen drei Öffnungstagen. Über drei Pullis freut sie sich, eine Tasche sowie eine Sommerhose, die sie schon im Winter entdeckt hat. Die Videokassetten bringt sie wieder zurück, nachdem sie sie angeschaut hat. Was ihr hier besonders gefällt? Es ist ruhig und sie schaut gerne den Leuten zu, was sie so mitnehmen. Manche schleppen ganze Koffer ab, meint sie. Eigentlich darf man ja nur drei Sachen pro Tag mitnehmen, aber nicht alle halten sich an diese Regel. Das wissen auch die Betreuer des Ladens, wollen es aber nicht allzu ernst nehmen.

Nicht alle NutzerInnen des Kost-Nix-Ladens wohnen in unmittelbarer Nähe. Ein Mann aus dem 10.Bezirk findet die Atmosphäre nett und wünscht sich in allen Bezirken so einen Laden.

Die meisten kommen, wenn nicht regelmäßig, so doch öfter vorbei,treffen Bekannte, finden und bringen so manches Brauchbare. So entsteht, wie die Initiatoren es definieren, „ein freier Fluss von Geben und Nehmen, die klare Trennung in wohltätige SpenderInnen und demütige EmpfängerInnen ist aufgehoben.“

Auch die Grenze zwischen Betreibern und Nutzern ist fließend, denn manche „Stammnutzer“ übernehmen die anfallenden Arbeiten: Sie helfen beim Einordnen der Waren, machen Ordnung in den durchwühlten Regalen, hängen die herausgezogenen Kleidungsstücke wieder auf.

Das alles entspricht den gesellschaftpolitischen Vorstellungen der Gruppe W.E.G (wertkritische emanzipatorische Gegenbewegung), die Initiatoren des Projekts, deren ambitioniertes Ziel es ist, eine ganze Ökonomie auf der Basis geldloser Kooperation aufzubauen.

6 bis 10 Freiwillige,-durchwegs junge Leute,- betreuen den Laden abwechselnd. Der Begriff „Ehrenamtliche“ gefällt ihnen nicht besonders. Ein „Amt“ haben sie nicht und dass die „Ehre“ ein  Begriff ist, den man hinterfragen muss, darin sind wir uns einig.