Wir (Brita Raynoschek und Renate Schütz) kommen zu einem Gesprächstermin ins Haus der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs (Jägerstraße 36, im 20. Bezirk). Beim Betreten umfängt uns eine helle und freundliche Atmosphäre. Frau Gabriele Absenger (Schwerpunkt Pflegeassistenz) und Frau Helga Bachleitner (Lobbying & PR) stehen uns für ein Gespräch zur Verfügung.

Frau Absenger ist für die Assistenz bei Pflegegeldansuchen zuständig. Sie macht dies bereits seit vielen Jahren und ist mittlerweile eine Expertin geworden. Eine große Hilfe war ihr dabei ihr Lebensgefährte, ein Rechtsanwalt, der seine Profession aufgrund seiner Sehschwäche nicht mehr ausüben darf.

Frau Absenger informiert die Ansuchenden darüber, was ihnen vom Gesetz her zusteht, wie der Antrag ordnungsgemäß eingebracht werden muss und welche Befunde notwendig sind. Sie vertritt auch die Ansuchenden mit einer Vollmacht, da Sehbehinderte meist große Angst vor dem Gericht haben. Die Quote der positiv erledigten Anträge beträgt 81 %. Pro Jahr werden circa 40 bis 50 Klagen eingebracht.

Auch bei Ansuchen um Berufsunfähigkeits- und Invaliditätspension hilft Frau Absenger. Sie weiß, wie man bei abschlägigen Bescheiden mit der Krankenkasse und Pensionsversicherung verhandeln muss, bzw. welche Umschulungsvorschläge nicht zumutbar sind.

Wir erfahren viele Einzelschicksale, die uns berühren. Frau Absenger und Frau Bachleitner merkt man an, wie glücklich sie sind, wenn Menschen mit schweren Schicksalen plötzlich durch das große Engagement der Hilfsgemeinschaft und der anderen Betroffenen wieder neuen Lebensmut bekommen. Im Haus treffen sich verschiedenste Gruppen, z.B. Kreativ-, Sing- und Theatergruppe, Schach-, Tarock- und Bridgerunden, auch Gesprächsrunden unter psychologischer Leitung. Es gibt Sportveranstaltungen, Blindenskisport, eine Dartsgruppe etc. Die Hilfsgemeinschaft sponsert den Speerwerfer Bil Marinkovic ,ein außergewöhnliches Talent, der an den Paralympics 2008 in Peking teilnimmt.

Der Verein bietet sehr viel, um die Lebensbedingungen von blinden und stark sehbehinderten Menschen zu verbessern. Es gibt eine Hörbücherei, eine Hilfsmittel und Low Vision Beratung, Blindenschriftkurse, Verleih von Lesegeräten.

Wie erfahren Menschen von Angeboten der Hilfsgemeinschaft?

Zweimal im Jahr geht eine Infosendung an Ärzte und Spitäler. Herr Kugler, ein ehrenamtlicher Mitarbeiter, ist die Kontaktperson zu den Krankenhäusern.

In der Hilfsgemeinschaft sind 70 ehrenamtliche Mitarbeiter tätig (mit Ehrenamtspass), die regelmäßig geschult werden und in einer Intervisionsgruppe begleitet werden.

Die angenehme Atmosphäre des Hauses, die den Sehbehinderten gerechte Innenarchitektur und die große Motivation der Mitarbeiter haben uns sehr beeindruckt.