Frau Dr. Cecilia Heiss ist klinische Psychologin und Geschäftsführerin von Hemayat. Sie erzählt uns sehr anschaulich, mit welchen Problemen die AsylwerberInnen zu ihnen kommen. Die meisten von ihnen leiden unter posttraumatischen Belastungsstörungen, die sich in Angst, Misstrauen, Aggression, Schlafstörungen, Albträumen, Übereregbarkeit, Konzentrationsstörungen etc. äußern.

Die Panik der Eltern überträgt sich häufig auch auf die Kinder, selbst wenn diese keine unmittelbaren traumatischen Erlebnisse hatten.

Für die MitarbeiterInnen von Hemayat ist es aufbauend zu erleben, dass oft mit relativ geringem Aufwand gute Erfolge erzielt werden können.

Allein die Tatsache, dass die Menschen Anerkennung erfahren, ihnen mit Anteilnahme zugehört und geglaubt wird, wirkt befreiend und ermöglicht den Aufbau von Vertrauen. Bei ihrer Ankunft hingegen erleben sie meist, dass man ihren ungeheuerlichen Geschichten mit Skepsis und Misstrauen begegnet und sie als unglaubwürdig dastehen.

Auch das Warten, die Ungewissheit während des Asylverfahrens ist sehr belastend und hat Parallelen mit ihren traumatischen Erlebnissen. Die Tatsache, dass bei vielen Behörden psychologisch ungeschulte Angestellte die Aufnahmegespräche führen, hat Hemayat veranlasst, Schulungen anzubieten, was aber nicht angenommen wurde.

Auch mit einem positiven Asylbescheid sind die posttraumatischen Belastungsstörungen vielfach nicht verschwunden:
-Es kommt häufig zu einem Wiedererleben inTräumen, manchmal auch zu Halluzinazionen.
-zu einem Gefangensein in einer Alarmbereitschaft
-zur Vermeidung der Erinnerung, was zu einem depressiven Rückzug führt.

Für eine gelungene Integration ist daher eine längerfristige psychologische Begleitung notwendig. Um die zu ermöglichen, hat der Verein Hemayat um Unterstützung beim WSP angesucht. Derzeit stehen 312 Asylwerber auf der Warteliste, davon 46 Kinder.

Klienentenberichte von Dr. Fridrun Huemer, Psychotherapeutin und Obfrau des Vereins
Herr M. hat vor fünf Jahren subsidiären Schutz bekommen. Er ist als unbegleiteter Jugendlicher mit 16 Jahren aus Afghanistan nach Österreich gekommen. Er hat schwere Traumatisierungen, auch Folter, erlitten und leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Herr M. hat vor einem Jahr den Hauptschulabschluss in einem Kurs gut bestanden Im Sommer 2014 hat er eine Lehre begonnen. Es geht ihm jetzt schrittweise besser.

Aber seit der Verfolgung seiner Familie in der Heimat – sein Onkel, der die Familie unterstützt hatte, wurde ermordet – ist er wieder in einem sehr schlechten psychischen Zustand. Und es besteht die Gefahr, dass er den Anforderungen der Ausbildung nicht gewachsen ist. Deshalb muss die Therapie fortgesetzt werden.

Frau Y., aus Tschetschenien, ist schon seit 8 Jahren in Österreich. Sie ist auf Grund einer Vergewaltigung durch russische Milizionäre und der Ermordung ihres Sohns, der damals noch ein Baby war, sehr schwer traumatisiert.
Sie hat leider nicht Asyl, sondern nur subsidiären Schutz. Das hat sie lange sehr gequält, weil sie große Angst hatte, dass dieser Schutz nicht jedes Jahr verlängert wird.

Sie ist jetzt 53 Jahre alt, eigentlich zu alt, um eine Ausbildung zu bekommen. Sie hat als Putzfrau gearbeitet. Die Familien, bei denen sie gearbeitet hat, waren sehr zufrieden mit ihr und haben sie sehr geschätzt, aber sie hat immer mehr gesundheitliche Probleme bekommen und musste deshalb aufhören.

Das hat eine schwere Krise ausgelöst, in der die Symptomatik wieder verstärkt ausgebrochen ist. Sie würde eine Arbeit brauchen, die körperlich nicht so anstrengend ist, aber das gelingt nicht.

Sie könnte zum Beispiel gut als Helferin in der Altenbetreuung arbeiten, weil sie sehr warmherzig und kommunikationsfähig ist. Immer wieder ist sie sehr verzweifelt und es fällt ihr schwer, die Zukunft zu gestalten.
Sie spricht gut Deutsch, hat auch österreichische Bekannte und ist nicht schlecht integriert. Aber sie braucht Ermutigung und vor allem ein Ziel für ihr weiteres Leben. Dann wird es ihr leichter fallen, die traumatischen Ereignisse zu verarbeiten und mit der Erinnerung zurecht zu kommen.

Frau S., Tschetschenin, 50 Jahre alt, ist mit zwei Töchtern hier, die beide das Gymnasium besuchen. Sie hat nicht Asyl bekommen,  vor kurzem endlich die Rot-weiß-Rot-Card. Das bedeutet, dass sie arbeiten darf/soll, um für sich und die Kinder sorgen zu können. Sie leidet an einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung, die in den Jahren der Unsicherheit und des Wartens – sie ist schon 10 Jahre in Österreich – nicht wesentlich besser geworden ist. Inzwischen ist sie auch körperlich nicht mehr so belastbar. Nun hat sie verständlicherweise Angst, den Anforderungen eines normalen Arbeitsplatzes nicht gewachsen zu sein.

Ihre Deutschkenntnisse sind gut. Sie hat übrigens in Russland ein Wirtschaftsstudium abgeschlossen, mit dem sie jetzt wenig anfangen kann, zumal sie auch keine Zeugnisse oder Diplome mitgenommen hat. Sie braucht auch weiterhin therapeutische Unterstützung, zumindest bis sei eine passende Arbeit und damit hoffentlich einen Weg aus ihrem Trauma findet.

 

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