Das Haus Abraham ist eine Initiative des Don Bosco Flüchtlingswerks Austria. Es besteht seit 2004 und hat bisher 137 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufgenommen.

Wir hatten im August Gelegenheit, mit zwei Mitarbeiterinnen des Hauses zu sprechen. Frau Mag. Pollheimer, Geschäftsführerin, und Frau Mag. Peichl, Psychologin und pädagogische Leiterin, haben uns einiges über das Haus, seine Aufgaben, Probleme und Aktivitäten berichtet.

Derzeit leben dort 16 junge Menschen, ein Tschetschene, ein Nigerianer und ein Algerier, alle anderen sind aus Afghanistan. Die meisten kommen über die Türkei und Griechenland am Bahnhof Meidling an, von wo sie nach Traiskirchen gebracht werden. Der Fonds Soziales Wien übernimmt die Grundversorgung und weist ihnen einen Heimplatz zu, wo sie bis zu ihrem 18. Lebensjahr bleiben können. In dieser Zeit besuchen sie die Schule und nehmen an Deutschkursen teil. 200 Stunden werden bezahlt.

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Es gibt auch Alphabetisierungskurse, allerdings nur in Deutsch, was, wie man sich denken kann, sehr schwierig ist. Frau Mag. Peichl erzählt uns von einem Jungen, der in Afghanistan Ziegen gehütet hat und weder lesen noch schreiben konnte. Der Kurs hat seinen Ehrgeiz geweckt, sodass er pausenlos lernte. Jetzt strebt er einen Matura-Abschluss an und möchte Dolmetscher werden, weil er selbst erlebt hat, was es heißt, schlecht übersetzt zu werden.

Die BetreuerInnen sind bemüht, ein Netzwerk für die Jugendlichen zu knüpfen, indem sie Paten/Patinnen suchen, wenn möglich Lehrstellen oder Plätze an weiterführenden Schulen.

Im Haus Abraham gibt es 6 BetreuerInnen (5 vollzeitliche). Diese sind auch für jeweils 3 bis 4 Jugendliche sogenannte „Bezugsbetreuer“, um zu den einzelnen Jugendlichen engeren Kontakt zu haben. Das Betreuerteam muss ihnen helfen, ihre Gegenwart zu bewältigen. Ihre Vergangenheit ist zerstört, ihre Zukunft ist nebulos. Was hilft ihnen weiter, wenn sie keine Hoffnung haben und sich mit Selbstmordgedanken quälen? Die Gemeinschaft im Haus wirkt unterstützend und auch die vorgegebene Struktur. Die Jugendlichen sind sich ihrer sozialen Verantwortung wohl bewusst. So nehmen sie sich derzeit um einen ehemaligen Heimbewohner an, der mit 18 Jahren in Schubhaft kam, dort in Hungerstreik trat, dann wegen seiner körperlichen Schwäche entlassen wurde und jetzt nicht weiß, wie es weitergehen soll.

Die BetreuerInnen arbeiten in einem Turnussystem, sodass immer jemand anwesend ist. Das ist unbedingt notwendig, denn viele Heimbewohner sind infolge ihrer Erlebnisse vor und während der Flucht schwer traumatisiert. Sie haben den Verlust der Eltern erlebt oder mit ansehen müssen, wie Freunde auf der Flucht im Meer ertrunken sind. Das alles führt zu psychischen und/oder körperlichen Störungen, die sich unterschiedlich äußern. 80% der jungen Leute haben Schlafstörungen, erzählt uns Frau Mag. Peichl. Die seelischen Nöte äußern sich auch in Depressionen, Alkoholproblemen, ungezügelten Impulsdurchbrüchen, Neigung zu Selbstverletzung und psychosomatischen Erkrankungen, Magen-,Herz-, und besonders Hautproblemen.

Wenn eine Psychotherapie notwendig ist, werden „die Boje“(Ambulatorium für Kinder und Jugendliche in Krisensituationen) oder „Hemayat“ (Verein zur Betreuung von Folter- und Kriegsüberlebenden) kontaktiert. Da „die Boje“ keine Dolmetscher hat, müssen diese beigestellt und bezahlt werden. Für diesen Zweck ist ein Teil der Unterstützung durch das Wiener Spendenparlament gedacht. Ein anderer Teil wird in Aktivitäten investiert, die das Selbstvertrauen und die Lebensfreude stärken sollen, wie z.B. der Besuch in einem Hochseilklettergarten, ein Nachmittag mit einer Erlebnispädagogin, oder ein Musikworkshop, der so großen Anklang fand, dass geplant wird, einige Musikinstrumente anzuschaffen.

Das Aidshilfehaus bietet gratis einen Aidsworkshop an. Über die Männerberatungsstelle wird im Herbst eine Veranstaltung zum Thema „Liebe, Sex und Männlichkeit“ stattfinden. Geplant ist auch die Behandlung der Themen: Umgang mit Vorurteilen, Diskriminierungen im Alltag und Konfliktprävention.

Wir bedanken uns im Namen unserer Spender und Spenderinnen für die tolle Arbeit!