„Gesundheit für wohnungslose Frauen“ (GWF) ist ein von der Stadt Wien gefördertes Projekt von FEM (Frauen-Eltern-Mädchen), das derzeit in 14 Einrichtungen der Wiener Wohnungslosenhilfe realisiert wird.

Wir hatten im März die Möglichkeit, uns im neunerHAUS im 10.Bezirk mit Frau Michaela Kaiss zu treffen, um von ihr mehr über dieses Projekt zu erfahren. Frau Kaiss ist Dipl. Lebens- und Sozialberaterin und seit zwei Jahren jeden Mittwoch von 8 bis 13 Uhr im neunerHAUS tätig. Ihre Aufgabe ist es, die Gesundheitsvorsorge der in diesem Hause lebenden Frauen zu unterstützen und zu fördern.

Diese Frauen sind zwar ordnungsgemäß gemeldet und versichert, haben aber oft große Probleme, wenn es darum geht, das Regelmedizinsystem in Anspruch zu nehmen. Sie haben Demütigungen und Abwertung erfahren. So ist es schon vorgekommen, dass BewohnerInnen von Obdachlosen- Einrichtungen in einem Labor die Untersuchung verweigert wurde. Frau Kaiss muss daher zunächst das Vertrauen der Frauen gewinnen, was keine leichte Aufgabe ist.

Die Mutigeren kommen zu ihr ins Beratungszimmer, andere besucht sie in den kleinen Wohnungen oder unterhält sich mit ihnen in den Sitzecken auf den Gängen des Hauses oder beim Buffet. In diesen Gesprächen kommt sie nicht gleich zur Sache, Themen sind zunächst das Wetter oder die Nachbarn. Stets ist sie bedacht, auf die Bedürfnisse der einzelnen Frauen einzugehen. Die Verbindung zu ihnen zu halten, ist oft das Schwierigste, aber wichtig, da viele chronisch krank sind.

Den Frauen stehen, wenn sie bereit sind, sie anzunehmen, viele Möglichkeiten zur Verfügung: der Hausarzt, der die Verbindung zu Fachärzten herstellt, eine Gynäkologin, die zur Beratung ins Haus kommt. Durch die Kontakte mit dem psycho-sozialen Dienst können Probleme im Vorfeld abgefangen werden, so dass es wenig Aufenthalte in der Psychiatrie gibt. Frau Kaiss begleitet die Frauen sogar zum Zahnarzt, vor dem viele Angst haben.

Das Team, in dem Frau Kaiss arbeitet, besteht insgesamt aus:
3 Psychologinnen
2 Gynäkologinnen
1 Kinderpsychologin
1 praktische Ärztin und Tanztherapeutin
1 Shiatsu Therapeutin

Im Vorjahr hat das Neunerhaus ein Pilotprojekt gestartet: die Gesundheitsstraße. Es wurden Stände für verschiedene Gesundheitsbereiche aufgebaut – z.B. Sehtest – bei denen es jeweils einen Stempel gab. Wer 5 Stationen besucht hatte, bekam ein kleines Geschenk: ein Gymnastikband.

2010 wurde das Projekt Gesundheit für wohnungslose Frauen mit dem Gesundheitspreis der Stadt Wien ausgezeichnet. FEM plant, dieses Projekt in weiteren Wohnungslosen-Einrichtungen zu installieren und wurde dafür vom WSP im Jahr 2010 unterstützt.