60 Menschen – 60 Lebensgeschichten
Eindrücke vom Besuch im betreuten SeniuorInnen-Wohnhaus für obdachlose Menschen in der Tivoligasse 41, 1120 Wien

Der freundliche große Gemeinschaftsraum mit Blick auf einen Garten lässt nicht vermuten, dass hier einmal Keller waren. An dem langenTisch sitzen Frauen und plaudern. Getränke und kleine Speisen können sie für wenig Geld bei der Hausmeisterin erwerben. Die ist der gute Geist hier, fast rund um die Uhr verfügbar, da sie im Haus wohnt. Sie hat auch den köstlichen Marillenkuchen gebacken, den man uns zum Kaffee serviert.

Eine diplomierte Krankenschwester lädt uns in ihre Wohnung ein. Wie ist diese gut ausgebildete Frau wohl so an den Rand der Gesellschaft geraten? Sie erzählt von ihrem oft schweren Berufsleben und wir bewundern die gemütliche kleine Wohnung: Wohn-Schlafraum, kleine Küche und Bad. Hier kann man sich wohlfühlen, stellen wir fest. Ja, meint sie und ich kann die Tür hinter mir zumachen. Diesen Satz haben wir schon von einer anderen Bewohnerin gehört.

Die Leiterin des Hauses führt uns durch das liebevoll ausgestattete Haus: überall Blumen, Bilder, Photos.

Das ist, was wir sehen.

Was wir nicht sehen, sind die Frauen, die das Leben so beschädigt hat, dass sie die Rückkehr in einen ganz “normalen” Alltag nicht mehr schaffen. So erzählt man uns von einer Frau, die, – wie vorher auf der Straße, –  immer ihr gesamtes Hab und Gut mit sich trägt, auch wenn sie nur ein  paar Schritte zur nächsten Trafik macht. Doch hier darf sie sein, wie sie ist. Den Frauen ihre Selbständigkeit und Würde wieder zu geben ist den BetreuerInnen das wichtigste Anliegen.