Anfang Juli besuchten wir die Station Wien im 5. Bezirk und führten mit Frau Mag.a Kurzmann ein längeres Gespräch über die Aktivitäten dieser Organisation. Der 1997 gegründete Verein für Bildung, Beratung und kulturellen Austausch dient vor allem der Stärkung zugewanderter Frauen. Einer der Schwerpunkte ist die Sozialberatung in den Bereichen Wohnen, Finanzielles und Bildung. Diese ist für Frauen und Männer gedacht, wird jedoch hauptsächlich von Frauen genutzt. „Die Menschen wollen meistens unabhängig von Sozialhilfe sein“ betont Frau Kurzmann. Seit Herbst kommen auch AsylwerberInnen.

Für diese Beratung wurde die Zuwendung des Spendenparlaments verwendet. Es konnten damit 5 Monate lang 5 zusätzliche Wochenstunden finanziert werden. Die Sozialberatung ist kostenlos und wird in mehreren Sprachen angeboten. Bei Bedarf wird eine Dolmetscherin organisiert.

station-wien1_webDie Station Wien betreibt jedoch noch mehrere andere Projekte. So werden Alphabetisierungskurse für Menschen aus Afghanistan, arabisch sprechenden Ländern, und Afrika abgehalten. Großen Andrang gibt es bei den Deutschkursen, vor allem bei „Mama lernt Deutsch“. Diese Kurse werden mit begleitender Kinderbetreuung in den Städtischen Kindergärten Wiens angeboten. Da KursleiterInnen und SozialarbeiterInnen eng zusammenarbeiten, kommt es zu einem Informationsaustausch über die jeweiligen Bedürfnisse der KursteilnehmerInnen, sodass diese entsprechend unterstützt werden können.

Darüber hinaus ist die Station Wien mit anderen Beratungseinrichtungen vernetzt (z.B. mit den „Nachbarinnen“), an die im Bedarfsfall weitervermittelt wird.

Besonders angetan hat uns das jüngste Projekt von Station Wien, das seit September 2012 bestehende „Sprachencafé“, und so haben wir beschlossen, uns dort einmal umzusehen. Das haben wir dann auch nach der Sommerpause in der ersten Septemberwoche getan. Als wir uns um 17h vor dem Eingang treffen, warten dort schon ein paar Leute auf Einlass. Drinnen fällt uns ein kleines Buffet ins Auge, wo man bei Aischa, einer Türkin, hausgemachte Börek, Apfeltörtchen und Tee kaufen kann, was wir auch gleich tun. Aischa freut sich, dass wir ihre Produkte köstlich finden.

station-wien2_webWährend wir essen, kommen wir mit einem Syrer ins Gespräch, der seit ca. einem halben Jahr in Österreich ist und über das AMS einen Deutschkurs besucht. Er kommt ins Sprachencafé, damit er die erworbenen Kenntnisse auch praktisch anwenden kann.

Die beiden Räume füllen sich rasch und bald sind alle 11 Tische besetzt. Ungefähr 80 Menschen unterhalten sich mehr oder weniger laut und lebhaft in verschiedenen Sprachen. An diesem Mittwoch auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Türkisch. Es herrscht jedoch keine babylonische Sprachverwirrung, denn jeder Tisch ist gewissermaßen eine Sprachinsel, auf der sich alle um eine gemeinsame Sprache bemühen und sich nicht von den anderen stören lassen. Erstaunlich schnell entsteht, nachdem sich alle vorgestellt haben, eine kleine Gemeinschaft.

Wir besichließen, uns an verschiedene Tische zu setzen. Renate wählt einen Tisch, wo die TeilnehmerInnen Deutsch sprechen wollen.

Es kommen hier nicht nur Flüchtlinge zusammen, sondern auch andere, die ihre Deutschkenntnisse trainieren wollen. So war eine Engländerin, die seit einem halben Jahr mit ihrem Mann in Wien lebt, sehr eifrig bemüht zu reden und für die Tischgemeinschaft sehr hilfreich, weil sie Themen in den Raum stellte.

Ein Südkoreaner, mit einer Österreicherin verheiratet, sucht auch eine Gelegenheit Deutsch zu reden, da es zu Hause einfacher ist, sich englisch zu unterhalten. Eine Spanierin, die in Österreich arbeiten möchte, deren Deutschkenntnisse aber noch sehr rudimentär sind, kann sich leider nicht sehr gut einbringen. Ein junger Syrer dagegen war schon sehr gut und hat immer gleich festgestellt, wann der „Dativ“ anzuwenden ist.

Ein zweiter junger Mann aus Syrien, ein Afghane, ein Iraker und ein Somalier, der schon 4 Jahre in Österreich lebt, gut Deutsch spricht und sich freut, dass er eine Arbeit hat, ergänzen die Runde.

station-wien3_webErika setzt sich an den „Italienisch-Tisch“, an dem natürlich der einzige Italiener im Mittelpunkt steht.  Die anderen sind ÖstereicherInnen und Deutsche, die alle eifrig diskutieren. Später kommt eine Japanerin dazu, die sich beim Sprechen noch schwer tut, sich aber eifrig Notizen macht. Italienisch braucht sie, weil sie eine Arbeit in Kunstgeschichte schreibt.

Wir fanden die Stunden im Sprachencafé sehr anregend und können nur empfehlen, dort einmal mitzumachen. Es kann jeder kommen, Deutsch Sprechende sind natürlich besonders gefragt, da es viele „Deutsch-Tische“ gibt.

Das Sprachencafé ist Dienstag und Mittwoch von 17 bis 20h geöffnet. Verantwortlich ist Frau Barbara Niklas. Bitte an Ort und Stelle mit ihr Kontakt aufnehmen. 1050 Wien, Einsiedlerplatz 5 (Eingang Gießaufgasse).

 

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