Die Frauenberatungsstelle Kassandra besteht seit 1988. Nach Aussage vieler Frauen ist es ein Ort, wo sie mit ihren Anliegen und frauenspezifischen Problemen gehört und respektiert werden.

Wir besuchen die Beratungsstelle an einem schönen Oktobertag und sind sofort angetan von den hübsch eingerichteten, lichtdurchfluteten Räumlichkeiten der Einrichtung. Sie verströmen eine Wohlfühl-Atmosphäre, in der man sich gut entspannen kann. Es scheint uns ein guter Ort zu sein für die Frauen, die mit ihren Sorgen und Nöten hierher kommen. Denn trotz des augenscheinlichenWohlstandes in dem schönen Städtchen Mödling, gibt es auch hier armutsbetroffene und somit vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossene, einsame Frauen. Fehlende finanzielle Ressourcen führen außerdem oft zu belastenden Schuld- und Schamgefühlen.

Aus dem Beratungsalltag entstand die Idee, mit einer Empowermentgruppe zu beginnen. 2016 haben die SpenderInnen in der Spendenparlamentssitzung entschieden, diese Idee zu unterstützen.

Seit fast einem Jahr gibt es nun 14-tägig diese Gruppe für 5-8 Frauen, die in diesem geschützten Raum über alles reden können, was ihnen das Leben schwer macht. Oft hilft schon eine Blickänderung, von einem „ich mach zu wenig, es genügt alles nicht“ zu einem „ ich mache sehr viel, bei den vielen Verpflichtungen, die ich habe.“ In diesem Prozess spielt die Gruppe eine wichtige Rolle. Diese ist auch der geeignete Rahmen dafür, dass Frauen mehr Sensibilität und  Solidarität für einander entwickeln. Bei den Therapeutinnen wiederum ist Behutsamkeit angesagt, jede Frau hat ihr eigenes Tempo, auf das man Rücksicht nehmen muss.

Wichtig ist, die Themen auf eine Meta-Ebene zu bringen. Viele Probleme sind ja nicht selbstverschuldet, sondern haben ihre Ursachen im System, in dem Menschen oft gefangen sind.

Ratschläge geben die Therapeutinnen nicht. Es geht vielmehr darum, den Frauen ihre Stärke bewußt zu machen, ihre eigenen Ressourcen zu mobilisieren. In der Gesprächsrunde stellt sich heraus, dass es einen großen Pool an Fähigkeiten und Kompetenzen gibt, die nutzbringend eingesetzt werden könnten, wie z.B. Zweisprachigkeit, diverse Fertigkeiten… Um das sichtbar zu machen, gibt es 2 Pinnwände mit folgenden Fragen:

  1. Was kann ich?
  2. Was brauche ich?

Neben der offenen Gesprächsgruppe gibt es auch eine therapeutische Gruppe für 3–4 Frauen. Dort einen Platz zu bekommen, bedeutet meist Wartezeit, während der die Empowermentgruppe ein sinnvolles Angebot ist.

Für die Gruppen gilt Verbindlichkeit, aber auch Freiwilligkeit.

Eine wichtige Regel ist die Verschwiegenheit. Die Frauen müssen unterschreiben, in der Öffentlichkeit keine Namen zu nennen.

Mit diesen Gruppen arbeiten 3 Frauen: eine Diplomsozialarbeiterin, eine Psychotherapeutin und eine Juristin.

Die gute Zusammenarbeit im Team ist ihnen sehr wichtig. Austausch und Wahrnehmung anderer Sichtweisen sind hilfreich für die eigene Arbeit.

Kassandra ist sehr gut vernetzt mit anderen einschlägigen Organisationen. Wenn es um Gesundheit, Gewalt, Scheidung geht, gibt es Ansprechpartner. Lobend wird das gute Verhältnis zur örtlichen Polizei erwähnt. Es ist z.B. möglich, Gespräche nicht auf der Polizeistation, sondern in den Räumlichkeiten von Kassandra zu führen, was manche Situation entschärft..

Auch in den Schulen ist die Kassandra aktiv, um Mädchen zu stärken, z.B. bei Cyber-Mobbing.

Unser Fazit: Gut, dass es Kassandra gibt!