Die Arbeitsloseninitiative AMSand trifft sich im Amerlinghaus, wo Frau Maria Hintersteiner und Herr Emil Binder , selbst Betroffene mit viel Erfahrung und umfangreicher Sachkenntnis in Sachen Arbeitsrecht, jeden Donnerstag von 18 bis 23:45 Uhr Beratungen durchführen.

„Die Leute kommen, wenn es zu spät ist,“ meint Herr Binder. „Sie sollten schon kommen, wenn sich die Möglichkeit, arbeitslos zu werden, abzeichnet, denn sie müssen für den neuen Lebensabschnitt gerüstet sein. Wenn sie zum Arbeitsamt gehen, kann es schon zu spät sein.“

Die Initiative füllt eine große Lücke, denn das AMS gibt keine ausführlichen Rechtsauskünfte und die Arbeiterkammer wimmelt Arbeitslose ab, so Herr Binder. Den Beratern steht ein Anwalt zur Verfügung, der vieles gratis erledigt.

Mit welchen Fällen wird die Initiative am häufigsten konfrontiert?

Mit Arbeitslosen, die vom AMS gesperrt sind und keine Arbeitslosenbezüge mehr bekommen.
Dieser Fall tritt ein, wenn nach 6-monatiger Arbeitslosigkeit nicht irgendein Job angenommen wird, eine Frist versäumt wurde etc.

Alleinerziehende Frauen sind häufig von dieser Maßnahme bedroht, wenn sie an einem vom AMS vorgeschriebenen Kurs nicht teilnehmen können, weil sie keine Kinderbetreuung haben.
Mit Arbeitslosen, die geringfügig beschäftigt sind und deren Zuverdienst die erlaubte Grenze – oft geringfügig – überschreitet. Sie verlieren dann ihren Anspruch auf Arbeitslose, auch rückwirkend, was nicht leistbare Rückzahlungsverpflichtungen nach sich zieht. Die Streichung des Arbeitslosengeldes ist für die Betroffenen eine existentielle Bedrohung. Die größte Gefahr ist die Obdachlosigkeit.

Was unternimmt AMSand in diesen Fällen?

Die Initiative beschreitet den Rechtsweg, d.h. sie legt Berufung gegen den Entscheid des AMS ein. Wird diese abgewiesen, wird eine Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof bzw beim Verfassungsgerichtshof eingebracht. Dafür muss aber eine Eingabegebühr von € 180,– bezahlt werden, was für die Betroffenen eine große Hürde ist. Die Unterstützung durch das Wiener Spendenparlament ist für diese Fälle eine wertvolle Hilfe.

Zur wöchentlichen Beratung im Amerlinghaus kommen vor allem Menschen in der Lebensmitte, aber auch jüngere, vor allem Frauen mit Kindern. Neben kompetenter Rechtsberatung wird ihnen das Gefühl des Verstandenseins vermittelt. Sie werden nicht als Bittsteller behandelt, sondern man versucht ihre Stärken und ihre Kampfeskraft zu unterstützen, damit sie sich im Dickicht der Bürokratie zurechtfinden und die Hoffnung auf eine Besserung ihrer Situation nicht verlieren. So wird den Ratsuchenden der psychische Druck genommen. Auch gibt es am Donnerstag einen „Stammtisch“, an dem man sich mit SchicksalsgefährtInnen austauschen und in entspannter Atmosphäre plaudern kann. Wer sich für die Probleme dieser Menschen interessiert, ist ein gern gesehener Gast in dieser Runde und wird mit Kaffee bewirtet.

Die seit 1998 bestehende Initiative hat inzwischen einen Bekanntheitsgrad, der weit über Wien hinausgeht. Es erfordert täglich mehrere Stunden, um die e-mails aus Niederösterreich, Oberösterreich und dem Burgenland zu beantworten.

Der ORF hat eine Dokumentation über AMSand gedreht, in der zehn Betroffene bereit waren, über ihre Situation zu sprechen. Die Sendung wurde jedoch am Tag der geplanten Ausstrahlung abgesagt. Ein zu heißes Eisen?