Macondo – manche erinnern sich vielleicht noch an den Namen. Er stammt von den chilenischen Flüchtlingen, die in den 70er Jahren dort untergebracht waren. 348 Wohnungen befinden sich in den Gebäuden einer ehemaligen Kaserne am Rande von Wien, in der Zinnergasse, im 11. Bezirk. In einem Teil der Wohnungen leben jetzt von der Diakonie betreute Syrer.

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Es ist ein sonniger Herbsttag. Im Hof sitzen Frauen auf den Bänken unter den Bäumen, kleine Kinder spielen. Die Mauer, die das Gelände begrenzt, springt uns ins Auge: Sie ist lustig und bunt, das Resultat eines Graffitti-Spray-Events, das Künstler*innen mit den Kindern gemacht haben. Es ist ein friedliches Bild, das beinahe vergessen lässt, dass die Menschen Schlimmes hinter sich haben.

Die hier lebenden Syrer wurden für das humanitäre Aufnahmeprogramm des UNHCR ausgewählt, da sie die sogenannten Vulnerabilitätskriterien erfüllen, d.h. sie sind besonders bedroht von Verfolgung und Folter und/oder durch Krankheit gefährdet.

Registrierung und Gesundheits-Check finden in Traiskirchen statt. Nach einer Woche in Übergangswohnungen kommen sie schließlich in die Zinnergasse, wo sie drei Jahre bleiben können.
In dem kleinen Büro der „Basis Zinnergasse“ treffen wir Frau Pachler von der Diakonie, einen Zivildiener, einen jungen Syrer und einen Iraker, der als Dolmetscher arbeitet und schon seit 20 Jahren in Österreich lebt. „Wollen Sie mit uns essen?“ werden wir zur Begrüßung gefragt.

Heute hat der junge Syrer gekocht. Das macht ihm Spaß und uns schmeckt es. Seit drei Jahren ist er schon in Österreich, spricht gut deutsch und macht eine Friseurlehre. An seinem freien Tag ist er auf Besuch in Macondo und wird uns dann als Dolmetscher begleiten.Während des Essens erzählt uns Frau Pachler von den Aktivitäten, die angeboten werden: Deutschkurse natürlich und verschiedene Workshops wie: Ernährung für Kleinkinder, Tanz für Mädchen, Konsumentenberatung. Der dafür zuständige Gemeinwesen-Arbeiter bemüht sich, die Bewohner einzubinden und ihre Ideen und Fähigkeiten aufzugreifen.

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So entdeckte man zufällig, dass einer der Flüchtlinge ein toller Sänger ist. Nun bemüht man sich, ihm Auftritte zu verschaffen. Die Frauen wünschen sich ein Frauencafé.

Nach dem Essen besuchen wir zwei Familien, die uns beide freundlich empfangen und sehr aufgeschlossen sind. Sogar fotografieren dürfen wir. Das Ehepaar O., Kurden und Jesiden, hat fünf Töchter zwischen 3 und 11 Jahren. Die größeren Mädchen sind schon eingeschult, die Kleinen gehen in die Kindergruppe des Hauses. Scheu, doch neugierig begutachten sie uns. Der Vater sieht sehr schlecht aus. Wir erfahren, dass er krank ist.
In der zweiten Familie, kurdische Muslime aus Homs, herrscht große Freude, denn der vierte Sohn, der bereits seit einiger Zeit in Deutschland lebt, ist zu Besuch gekommen. Eine dünne Matratze liegt für ihn auf dem Boden. Eher nebenbei erfährt Frau Pachler, dass sie in der Nacht frieren, weil sie infolge eines Missverständnisses keine Decken haben, sich aber nicht darüber beschwert haben.

Dieses Problem kann rasch gelöst werden. Uns fällt auf, dass in den Wohnungen nur das Nötigste vorhanden ist. Es geht um eine Starthilfe, bis die Familien sich mit der Grundversorgung selbst Dinge anschaffen können. Das Wichtigste haben die Menschen in Macondo auf jeden Fall: Sicherheit und eine gute Betreuung durch freundliche, engagierte Mitarbeiter.