Wir nehmen unsere letzte Aussendung zum Anlass, eine kurze Rückschau zu halten und Ihnen ein paar Zahlen und Gedanken zum Spendenparlament zu übermitteln.

Das Wiener Spendenparlament wurde 1998 gegründet und hat bis 2017 in

19 Spendenparlamentssitzungen

263.771,–  an 99 Projekte verteilt.

Das Spendenaufkommen wurde zur Gänze an die Projekte weitergegeben.

Die Kosten für unsere Aussendungen wurden von der Rechtsanwaltskanzlei

Dr. Gabriel Lansky übernommen, wofür wir sehr herzlich danken.

Auch Ihnen, liebe Spenderinnen und Spender, vielen Dank für das, was nur durch Sie möglich wurde!

Bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern  bedanken wir uns für ihren Einsatz.

Wir haben die eingegangen Gedanken zum Ende des Wiener Spendenparlaments zusammengestellt und übermitteln Sie Ihnen in diesem Brief.

Wir verabschieden uns mit den besten Wünschen zum Jahreswechsel und danken für das jahrelange Vertrauen
Renate Schütz und Erika Poeschl (das Büroteam) und Eugen Bierling-Wagner (Kassier)

Erinnerungssplitter aus 19 Jahre Wiener Spendenparlament

Am Anfang hieß es „Forum Zivilcourage“ – ein Name für eine Einrichtung der Diakonie, der vom Team einer Werbeagentur, in der ich in den 1990er Jahren gearbeitet habe, erfunden wurde. Vorbild war das Hamburger Spendenparlament, die Bezeichnung „Parlament“ schien damals aber zu negativ belastet. Zum Start wurden wichtige Unterstützer gewonnen, Ferdinand Lacina, Gertraud Knoll, Paul Yvon. In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Michael Chalupka wurde der Verein offiziell gegründet. Später wurde er doch in „Wiener Spendenparlament“ umbenannt, um die Funktion der partizipativen Budgetaufbringung und -verteilung deutlich zu machen.

Die jährlichen Sitzungen der Parlaments-Mitglieder gemeinsam mit den Organisationen, die sich um Spenden beworben hatten, waren etwas Besonderes. Im Wappensaal des Rathauses wurden die Projekte vorgestellt und von den BegutachterInnen kommentiert. Jedes Mitglied des Spendenparlaments nahm dann eine persönliche Reihung vor und bestimmte auf diese Weise mit, wie die Summe der Mitgliedsbeiträge verteilt werden sollte. Heute erfüllt das Internet mit seinen Plattformen und Foren die Funktion, Anlaufstelle für viele kleine spendenwerbende Vereine und Organisationen zu sein. Das Spendenparlament war dafür ein bemerkenswertes ‚live‘ funktionierendes Vorbild.
Karin Lehmann

 

Liebes Büroteam,
Von Anfang an war das Spendenparlament durch die Hingabe der ehrenamtlichen Mitarbeiter gekennzeichnet, wobei hinzugefügt werden muss, dass Bürotätigkeit meist keine faszinierende Tätigkeit ist. Gelitten hat das Spendenparlament am selbst auferlegten Prinzip, alle Spenden der „Parlamentarier“ zur Gänze an Projekte weiterzugeben. Problem dieser hehren Beschränkung war, dass kaum Mittel dafür zur Verfügung standen, das Spendenparlament einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Der „Zeitgeist“ ging offenbar in eine andere Richtung, wenn man bedenkt, wie viel „Geschenke“ diverse Organisationen an potentielle Spender per Post versenden.
Besonders gefallen hat mir die Idee, die Spender mit den Projekten zu konfrontieren und damit ein – wenn auch eingeschränktes – Bild gesellschaftlicher Ränder zu zeigen, die die meisten von uns sonst kaum wahrnehmen würden.
Berührt hat mich der persönliche Kontakt mit engagierten Mitarbeitern der zu bewertenden Projekte, erfreut hat mich der gute Geist der Zusammenarbeit, der von Anfang im kleinen Team des Spendenparlaments herrschte.
Vielen Dank und liebe Grüße,
Ferdinand Lacina

 

Ich bedauere sehr, dass das Wiener Spendenparlament seine Arbeit beenden wird, und gleichzeitig möchte ich mich für Ihre jahrelange Tätigkeit und die Spenden für gemeinnützige Organisationen bedanken.

Ich habe das Spendenparlament als ein sehr wertschätzendes Gremium erlebt. Es war spürbar, dass Sie die Wichtigkeit der sozialen Organisationen sehen und ich bedanke mich dafür, dass Sie viele unterschiedliche Vereine dabei unterstützt haben, Menschen, die in Österreich leben, in schwierigen Lebenslagen zu begleiten. Diese Solidarität war sehr aufbauend!
Elisabeth Cinatl (Frauenberatungsstelle Kassandra)

 

Obwohl ich in einer recht großen NGO arbeite, fehlt es oft an zeitlichen und finanziellen Ressourcen. Das Spendenparlament hat uns für 2018 ermöglicht, ein tolles Angebot zu setzen, das wir ohne diese finanzielle Unterstützung wieder in der Schublade hätten verschwinden lassen müssen.

Ich war tief beeindruckt von der Idee und der Umsetzung des Spendenparlaments, da allen Personen, egal woher sie kommen, wie alt sie sind und was sie tun, auf Augenhöhe begegnet wird. In Zeiten wie diesen wären Vereine wie das Spendenparlament dringender notwendig als je zuvor. Es ist ein großer Verlust, dass es das Spendenparlament zumindest in dieser Form nicht mehr geben wird!
Angelika Welebil (Diakonie, Flüchtlingshilfe)

 

Das Wiener Spendenparlament hat mich von Anfang an sehr beeindruckt:

Die Gesellschaft übernimmt selbst Verantwortung und spürt Lücken im scheinbar gut funktionierenden Sozialsystem auf. Jährlich hat sich auch immer wieder gezeigt, welche sozial schwächeren Gruppen gerade besonders viel Unterstützung benötigen.

Durch den persönlichen Kontakt zu den Projektverantwortlichen wurden die benötigten Mittel anschaulich erklärt und es konnten neben der finanziellen Hilfestellung auch andere Synergie-Effekte durch Kontakte, Sachgüter etc. hergestellt werden.

Vielen Dank an das Büro-Team, insbesondere an Erika, Renate und Eugen, die die Hauptlast getragen haben. Sehr schade ist natürlich das Ende, da bereits ein funktionierendes Netzwerk aufgebaut wurde. Für die „Wiederauferstehung“ stehe ich gerne im Rahmen meiner Möglichkeiten zur Verfügung!
Birgit Chochola (Spenderin und Mitarbeiterin in der Begutachtungskommission)

 

Die Arbeit für das Spendenparlament hat uns den Blick geöffnet für das, was es hinter der schönen Fassade Wiens auch noch gib, nämlich Armut, Ausgrenzung, Einsamkeit…. Gleichzeitig haben wir aber auch erfahren, dass es unglaublich viele gute Ideen und sehr engagierte Menschen gibt, die dagegen ankämpfen.

Die Höhepunkte unserer Arbeit waren die Besuche bei den vom Spendenparlament unterstützten Projekten. Dabei kam es zu persönlichen Gesprächen mit den MitarbeiterInnen der verschiedenen Einrichtungen und auch mit den Menschen, die davon profitieren. Oft haben wir an den Aktivitäten der Projekte teilgenommen und konnten so unmittelbar erleben, wie Ideen realisiert werden. Unseren Spenderinnen und Spendern darüber zu berichten, hat uns immer Spaß gemacht.

Gerne hätten wir bei den jährlichen Spendenparlamentssitzungen größere Beträge verteilt, aber zu sehen, dass auch mit einer bescheideneren Summe manches bewirkt werden kann, hat uns für die weitere Arbeit motiviert.
Renate Schütz und Erika Poeschl (das Büroteam)

 

Es hat mir sehr leid getan, dass das Projekt aus ist. Ich habe euer Engagement bewundert und auch das der Spendenbitter. Es ist erstaunlich, welche Ideen Menschen haben, um Sinnvolles zu tun. Bei etlichen Projekten habe ich mir zuerst gedacht: „Da vergebe ich kaum bis keine Punkte“ – und dann sah ich durch das Vorstellen und die Nachfragen so oft den Nutzen! Und es war gar nicht mehr so unnötig. Ich fand es auch immer schon sehr schade, dass nicht mehr Menschen als SpenderInnen mitgemacht haben. Einem konkreten Projekt mit einem konkreten (kleinen [Teil]ziel) zu spenden ist klass: alle Beteiligten sehen schnell ein Ergebnis – und man hat als SpenderIn Einfluss auf das Was. Leider war ich oft verhindert und konnte nicht zur Spendenparlamentstagung kommen, was mir jedes Mal sehr leid tat, weil es immer sehr nett und informativ war. Ich bin dankbar für alle Menschen, die sich einsetzen für andere und die Welt ein bisschen besser machen.

Vielen, vielen Dank für die Jahre mit dem Spendenparlament. Es war eine echte Bereicherung für mich

Ich wünsche Ihnen allen alles alles Gute
Gerda Watschinger (Spenderin)

 

Immer wenn ich die schönen weißen Kästen in unseren Gästezimmern sehe, die auch noch nach einigen Jahren intensiver Nutzung und oft schwerer Belastung, ganz stabil dastehen, dann denke ich an diese Aktion, mit der uns das Spendenparlament ermöglicht hat, statt der alten Spinde, geräumige Kästen anzuschaffen.

Aber auch die Teilnahme am Parlament selbst, wie Ihr das moderiert und gemanagt habt, war etwas ganz Besonderes.

Schade, dass es Euch jetzt nicht mehr gibt. Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten des Wiener Spendenparlaments aus dem Vinzibett. Hedi Klima