Vom Kontaktepool des Vereins Station Wien gehen ehrenamtliche MitarbeiterInnen direkt in die Familien von Migranten und geben dort vor allem Kindern, aber auch Jugendlichen und Erwachsenen Nachhilfe und sind Ansprechperson und Freizeitbuddy. Derzeit sind 242 LernhelferInnen im Einsatz, die jährlich in 60 Familien vermittelt werden.

Die psychische Belastung dieser Freiwilligen ist manchmal enorm groß, da sie mit den traumatischen Erlebnissen der betreuten Familien, sowie deren prekären Lebens-bedingungen in Österreich konfrontiert sind. Ihr Engagement stößt an Grenzen, zumal sie als Laien keine einschlägige Ausbildung haben.

Auch Helfer brauchen Hilfe. Zu diesem Schluss kam der Verein Station Wien und finanziert mit Unterstützung des Wiener Spendenparlaments 8 kostenlose Workshops, sowie Supervision und Mediation, um die Qualität der ehrenamtlichen Tätigkeit zu steigern.

Ich hatte die Gelegenheit, an dem 3-stündigen Workshop „Lernen mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen“ unter der Leitung von Frau MA Lotte Kreissler teilzunehmen. Es waren drei sehr dichte und spannende Stunden, über die ich hier nur schlagwortartig berichten kann.

Zum Einstieg lernten wir verschiedene Methoden (Gespräch, Bilder, Ballspiel) des Kennenlernens, der Kooperation, des Austauschs kennen. Anschließend referierte Frau Kreissler über folgende Themen / Fragen:

  • Was ist ein „Trauma“? Dabei erfahren wir, dass Flüchtlinge meist ein „sequenzielles Trauma“ haben, d.h. es ist nicht ein einzelnes Ereignis, sondern ein Prozess: das Erlebnis von Krieg, Tod, Verfolgung, dann die Flucht und schließlich die Fremdheit im unbekannten Ankunftsland.
  • Biologie des Traumas – Was passiert im Körper?
  • Posttraumatisches Belastungssyndrom: Es äußert sich in sehr vielfältigen, oft gegensätzlichen Verhaltensweisen.
  • Was braucht ein traumatisierter Mensch? Frau Kreissler betont die Bedeutung der Wiedergewinnung der Kontrolle über das eigene Leben, Vertrauen und Sicherheit.

Was die Handlungsebene betrifft, so erklärt Frau Kreissler: BetreuerInnen sollen den Traumatisierten kein Thema aufdrängen, aber das Reden auch nicht abblocken. Es gibt keine Regel! Manchmal ist nichts tun das Richtige, es genügt da zu sein, zuzuhören, zu spüren.

Eine Teilnehmerin berichtet von ihrem Problem mit einem Mädchen: Es ist lernwillig und eifrig, aber die Arbeit hat keine nachhaltige Wirkung. In der nächsten Stunde muss sie feststellen, dass das Kind wieder alles vergessen hat. Frau Kessler rät ihr,eventuell den Arbeitsplatz zu wechseln, da es sehr wichtig ist, einen sicheren Ort zu schaffen.

Selbstfürsorge / Helfende brauchen Unterstützung durch Supervision und Intervision (Austausch mit anderen Helfenden). Wichtig ist es, sich realistische Ziele zu setzten und gegebenenfalls die eigene Hilflosigkeit auszuhalten.

Frau Kessler hat in diesem Workshop eine Fülle von Wissen in sehr anschaulicher und verständlicher Form vermittelt und ist auch auf die Fragen und Beiträge der Teilnehmerinnen eingegangen. Die vielen Informationen werden den Ehrenamtlichen bei ihrer praktischen Arbeit mit Flüchtlingskindern eine Hilfe sein, aber auch die Wahrnehmung eines Phänomens schärfen, das jenseits der Flüchtlingsproblematik in unserer Gesellschaft oft nicht ausreichend wahrgenommen wird. Schade, dass nur 8 Frauen an diesem Workshop teilgenommen haben.